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Marktlage


Ausblick

© Rainer Sturm / PIXELIO

Europa und die USA stehen in der schwersten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Für die internationalen Aktienmärkte und die Rohstoffpreise besteht in den kommenden Monaten kein erhebliches, dauerhaftes Aufwärtspotential. Die aktuelle Bärenmarktrallye basiert auf der Annahme vieler Investoren, in Europa und den USA stünde eine Konjunkturbelebung bevor. Diese Annahme ist auf positive Stimmungsindikatoren begründet, nicht aber durch harte realwirtschaftiche Fakten untermauert. Wir gehen davon aus, daß sie sich als falsch herausstellen wird. Deshalt behalten wir rund 50 Prozent der Liquidität zurück, gehen auf den DAX short und bleiben zunächst dem Handel bei allen anderen Anlageklassen fern.

Aktienmärkte

Das Wachstum der Weltwirtschaft ist beeinträchtigt. Die chinesische Volkswirtschaft wird auch in 2009 moderat wachsen, aber Europa und den USA stehen mehrere Quartale mit rückläufigen wirtschaftlichen Aktivitäten bevor. Nur wo die Wirtschaft wächst steigen auch die Aktienkurse.

Die Subprimekrise in den USA und der durch sie verursachte Rückgang der ökonomischen Aktivitäten in der immer noch wichtigsten Volkswirtschaft der Welt hat die Aktienkurse in den Abgrund gerissen. Dem konnten sich weder die europäischen noch die asiatischen Märkte entziehen. Europäer und Asiaten sind exportabhängig. Die Krise in den USA setzte nicht nur, aber auch deshalb den Aktienkursen in Frankfurt a.M., Paris, London, Hongkong und Tokio kräftig zu.

Der Zusammenbruch der wichtigsten amerikanischen Finanzkonzerne und der US-Automobilindustrie ist spektakulär. Eine dauerhafte Kurserholung ist erst möglich, wenn die Immobilienpreise in den USA einen Boden gefunden haben werden. Dem Prozeß der Bodenbildung bei den US-Immobilienpreisen gilt deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit.

Indessen haben wir es im Kern mit nichts als einem unerbittlichen Verteilkampf um den amerikanischen Automobil- und Bankenmarkt zu tun, in dem die Karten international neu gemischt werden. Die Ausfälle bei den amerikanischen Banken wären für institutionelle asiatische und arabische Investoren theoretisch durchaus vollständig, praktisch wohl eher teilweise zu stemmen gewesen. Die US-Regierung hat sich aber entschieden, mit dem Einsatz von Steuermitteln einen Abverkauf der US-Finanzkonzerne ins Ausland zu verhindern. Ihr gewaltiges Hilfspaket wird über die Notenpresse finanziert. Das treibt die Inflation an. Da aber die meisten notleidenden Kredite, die der amerikanische Steuerzahler übernommen hat, durchaus noch bedient werden, tritt eine Wende an den Märkten ein, sobald die US-Immobilienpreise wieder anziehen. Die Kurse brechen immer wieder ein, solange dies nicht der Fall ist. Danach werden sie deutlich steigen.

DAX

Von der Abwärtsbewegung des DAX haben wir mit Put-Optionsscheinen profitiert. Der deutsche Leitindex dürfte allerdings kaum (oder ggf. nur sehr kurzzeitig) unter 3.000 Zähler fallen. Wir handeln den Markt in beide Richtungen, gehen also im Bereich von 3.500 Zählern gestaffelt long und im Bereich von 4.500 Zählern gestaffelt short - und verkaufen, sobald Gewinne im Depot stehen. Mit Blick auf das Ende der Rezession wird das Marktgeschehen nach einer Bodenbildung oberhalb von 3.000 Punkten von einer Bewegung seitlich aufwärts geprägt sein. Wir werden uns so positionieren, daß wir von einer solchen Entwicklung maximal profitieren.

HSCE

Auch in Hongkong bewegen sich die Märkte seitwärts. Nach dem Kursrutsch des HSCE von mehr als 20.000 Zählern auf weniger als 6.000 Punkte ist hier das weitere Abwärtspotential überschaubar. Deshalb handeln wir diesen Markt ausschließlich von unten nach oben: Jeden deutlichen Kursverfall nutzen wir, um Long-Positionen aufzubauen, die wir bei der nächsten Kurserholung wieder verkaufen.

Rohöl

Der aktuelle Rohölpreis setzt sich aus drei Faktoren zusammen: 1.) dem realwirtschaftlich begründeten Preisanteil, 2.) dessen spekulativer Unter- oder Übertreibung durch die Börse und 3.) der Flucht mancher Anleger aus den Papierwährungen in Richtung Sachwerte. Langfristig wird der Ölpreis aus fundamentalen Gründen weiter steigen, weil einer wachsenden Weltwirtschaft und boomenden Schwellenländern ein nicht endlos steigerungsfähiges Angebot gegenübersteht.

Der realwirtschaftliche Aspekt macht den größten Teil am Rohölpreis aus. Um aus Ölsand ein Barrel Rohöl zu gewinnen, müssen 40 bis 50 Dollar aufgewendet werden; die Ausschöpfung der einschlägigen Förderungspotentiale ist indessen unverzichtbar, weil die traditionellen Ölquellen allein den weltweiten Bedarf auf Dauer nicht decken können. Schon deshalb gibt es kein zurück mehr zu den Rohölpreisen der 70er Jahre.

Aber gerade weil Rohöl in der Realwirtschaft gebraucht wird, kann der Preis kurz- und mittelfristig nicht endlos – spekulationsgetrieben – ansteigen. Ein Preis von 150 Dollar pro Barrel in den kommenden Monaten würde Verkehrsflüsse drosseln, die Kosten chemischer Erzeugnisse in die Höhe treiben und dadurch das für die Zukunft wieder erhoffte weltweite Wirtschaftswachstum abwürgen, das gerade Taktgeber und hauptsächliche Ursache jeder Aufwärtsbewegung der Rohölpreise ist. Deshalb sind unsere Gewinnerwartungen bei WTI begrenzt. Wir bauen bei jedem Rücksetzer gestaffelt Long-Positionen auf, die wir ebenso gestaffelt wieder verkaufen, sobald Gewinne im Depot stehen.

Palladium

Das Edelmetall Palladium wird in der Industrie benötigt und verdrängt bei der Herstellung von Katalysatoren für Kraftfahrzeuge immer mehr das teurere Platin. Seine Preisbewegung ist deshalb anhand der Entwicklung der Realwirtschaft berechenbar: Sobald die Wirtschaft wieder anspringt, wird der Preis für Palladium, der in 2008 an der Marke von 600 US-Dollar pro Unze gekrazt hat, deutlich anziehen.

Sollte Palladium noch einmal unter 170 US-Dollar pro Unze absacken, beziehen wir eine erste Long-Position. Ansonsten gehen wir auf Palladium long, sobald die Immobilienpreise in den USA, deren Absturz Auslöser der internationalen Finanzkrise war, einen Boden gefunden haben.

Historische Marktlagen: 22.05.2009 / 30.04.2009 / 20.03.2009 / 20.12.2008 / 10.10.2008 / 26.09.2008 / 17.05.2008

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